Die Wurzeln der Laiengemeinschaft Teresianischen Karmel reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im Umfeld vieler Klöster entstanden damals Vereinigungen von Gläubigen, die an ihrem Platz "in der Welt" nach der Spiritualität des betreffenden Ordens leben wollten. Sie wurden als "3. Orden" bezeichnet, der Männerorden als der "1. Orden", die Schwestern als der "2. Orden". Der 3. Orden des Karmel erhielt nach dem 2. Vatikanischen Konzil, als sich die Kirche wieder des eigenen Charakters der Laienbewegung bewusst wurde, die Bezeichnung "Teresianische Karmel-Gemeinschaft (TKG)" oder auch "Säkularorden", die Mitglieder werden zum Zeichen ihrer Zugehörigkeit zum Orden "Familiaren" genannt.
Die Karmel-Gemeinde Edith Stein Köln wurde im Jahre 1916 während des ersten Weltkrieges auf Wunsch der Priorin des Karmelitinnenklosters, Sr. Maria ab Angelis, gegründet. Mit der Leitung wurde Domkapitular Dr. Steffens betraut. Am 6. Mai 1917, dem Tag der Seligsprechung Annas vom hl. Bartholmäus (einer Gefährtin hl. Teresa von Avila, der Gründerin des Karmel), legten die ersten 10 Professen ihre Gelübde ab.
Da die Priorin der Karmel-Gemeinde, Frau Pohl, alljährlich gewissenhaft einen Jahresbericht schrieb, können wir uns ein lebendiges Bild vom Leben des jungen Säkularordens machen. Die Mitglieder redeten sich mit ihrem Ordensnamen an, leisteten auch mit ihrem Ordensnamen Unterschriften, die Priorin wurde Mutter genannt. Im Laufe der Zeit wurde die Anrede mit dem Ordensnamen jedoch aufgegeben. Wahrscheinlich war sie zu umständlich. Das Gelübde des Gehorsams hatte Vorrang. Immer wieder beruft sich die Priorin auf dieses Gelübde, wenn sie zur treuen Befolgung der Regel ermahnt und zum regelmäßigen Besuch der Versammlung. Bei einigem guten Willen müsste dies möglich sein, schreibt sie, auch noch als Bomben auf die Stadt fielen. Zwar haben einige Mitglieder Angst, wegen der Luftangriffe zur Versammlung zu kommen, vermerkt sie einmal. Doch ist ihr Grundsatz, bzw. der Grundton ihrer Berichte und Ermahnungen: Wir wollen als treue Ordensmitglieder leben und sterben, um der himmlischen Verheißung, die an unser Skapulier geknüpft ist, teilhaftig werden, da ist ihr kein Opfer zu schwer.
Die Gründungs- und Aufbaujahre standen im Zeichen eines religiösen "Bildungshungers". War an jedem 1. Sonntag des Monats Andacht mit Ansprache des geistlichen Direktors, traf man sich jeden 3. Sonntag privat zu religiösen Vorträgen, von den "Damen des Vorstandes" gehalten, die sehr gut besucht wurden und der Stärkung des Familiengeistes dienten. Doch war die Teilnahme daran nicht Pflicht. Leider wird in der Chronik nichts über die Themen berichtet. Alle 2 Jahre fanden geschlossene Exerzitien statt, aus diesen Tagen wird die gemeinschaftliche hl. Kommunion als Erlebnis erwähnt.
Der geistliche Direktor, Domkapitular Dr. Steffens, führte in seinen monatlichen Ansprachen in den Geist der Ordensheiligen ein. Als er 1923 starb, schrieb die Priorin: "Tiefe Wehmut umfasst unser Herz bei dem Gedanken: Unser hochwürdiger Herr Direktor ist nicht mehr. Er war ein Mann von seltener Liebenswürdigkeit und Güte, ein heiligmäßiger Priester, von dem ein Abglanz des Gottesfriedens auf alle überging, die mit ihm zusammen kamen."
Sein Nachfolger wurde Pastor Solbach. Er war kein Freund von Sonderveranstaltungen des Säkularordens. Die von den Mitgliedern gewünschte hl. Messe lehnte er ab mit der Begründung, dadurch würden den Mitgliedern zu viele Verpflichtungen auferlegt, auch für geschlossene Exerzitien war er nicht. Abkapselungen seien gefährlich, es gebe genügend Möglichkeiten zu Exerzitien und Einkehrtagen. Auch sollten sich die Mitglieder intensiv am Leben der Pfarrei beteiligen: nach Möglichkeit täglicher Besuch der hl. Messe und Kommunion, alle 14 Tage zur hl. Beichte gehen, im Familien- und Bekanntenkreis für die katholische Presse werben, auch dem Laienapostolat in der Pfarre beitreten und die Pfarrgeistlichkeit, die längst nicht mehr alle erforderlichen Pfarrarbeiten erledigen kann, entlasten - das war seine Devise. Die Mitglieder müssen ein Herz für alle haben, nicht herrschen wollen, sondern dienen; denn dies ist das Zeichen der Jünger Jesu.
Gelegentlich spielt Pfarrer Solbach auch auf das Zeitgeschehen an, wenn er 1933/34 mit Rücksicht auf die unruhigen Zeiten die Jahresversammlung ausfallen ließ. Seine geistlichen Belehrungen gehen in dieser Zeit dahin, Aufgabe des Säkularordens ist es nun, den hl. katholischen Glauben von der alten Zeit in die neue zu retten. Die Mitglieder müssen Nächstenliebe üben und die Massen zur Kirche zurückführen, sie müssen Taten sprechen lassen und dürfen am Ende ihres Lebens nicht mit leeren Händen vor Gott stehen. Zur Rückführung der Massen zur Kirche müssen die Mitglieder sich aber eine große Kenntnis im Katechismus aneignen. Daher ist auch das Gebet um Vermehrung des Glaubens wichtig, auch sollen sie mit Eifer der Predigt beiwohnen, das Rosenkranzgebet pflegen - ist er doch ein Katechismus im kleinen, für den es keinen Ersatz gibt. Die Mitglieder müssen sich um die Kinder kümmern, sie zur Christenlehre schicken, ihnen den Katechismus abhöre - auf diese Weise festigen sich auch die Erwachsenen im Glauben.
Es fällt in den lückenlosen Jahresberichten von 1916 - 1944 auf, dass kaum vom Krieg, den Luftangriffen und dem Untergang der Stadt die Rede ist. Nur im Jahresbericht von 1943-44, der ausdrücklich die Überschrift trägt: Letzter Jahresbericht, wird kurz und sachlich mitgeteilt: Am 30. April 1944 wurde der Karmel in Köln-Lindenthal zerstört, unseren hochw. Herrn Direktor, Pfarrer Solbach, nahm Gott der Herr am 26. Oktober 1944, an seinem 75. Geburtstag in sein himmlisches Reich. Wir und die Pfarrei verlieren viel an ihm.
Doch wurden freudige Begebenheiten ausführlich berichtet, so von einer Nikolausfeier, mit der Frau Pohl die Mitglieder überraschte, vom 25-jährigen Bestehen des Säkularordens (März 1942) und gleichzeitigem Silberjubiläum von Frau Pohl als Priorin. Zwar wurde in den 25 Jahren regelmäßig gewählt, wie das "Gesetz es befahl", aber es war immer wieder Frau Pohl, die unbesiegbar aus der Wahl hervorging. Die enge Verbundenheit mit dem 2. Orden (den Schwestern im Kloster) wird dadurch erkennbar, dass die Schwestern mit einer großen Überraschung zum Ordensjubiläum aufwarteten. Sie luden nach der Festandacht ins Kloster zu einer Kaffeestunde ein - was für ein Kaffee, darüber schweigt die Chronik; auch hatten die Schwestern Kuchen gebacken, im Kriegsjahr 1942! Welche Kunst das damals war, kann sich heute kaum ein Mensch noch vorstellen, doch damit nicht genug, man konnte sich an einen geschmückten, hübsch gedeckten Tisch setzen! Außerdem gab es für alle Mitglieder eine persönliche kleine Überraschung. Auch schriftliche Gratulationen gingen ein. Die größte Freude bereiteten die Glückwünsche des Karmels von Pützchen (bei Bonn) aus der Evakuierung, den Mutter Maria ab Angelis von Köln aus 1926 neu gründete. Der ausführliche Bericht über die außerkirchliche Feier erinnert daran, wie schwer das alltägliche Leben in diesen Jahren auch im privaten Bereich war, da war nichts mehr, was das Leben menschlich machte, es war schon ein Geschenk Gottes, sich noch freuen zu können. Man könnte über diese Zeit Alja Rachmanova zitieren aus der russischen Revolution: "Ich freue mich, dass die Sonne scheint, ich freue mich, dass die Vöglein singen, und ich freue mich, dass ich atme".
So wird die Chronistin, als sie den "letzten Jahresbericht" 1943-44 schrieb, nicht gedacht haben, dass der Säkularorden am 20 Februar 1949 schon wieder seine 1. Versammlung abhalten konnte. Zwar nicht in Köln-Lindenthal, dieser Karmel wurde nicht wieder aufgebaut, sondern am Ursprung des Karmels der Unbeschuhten Karmelitinnen in Köln, der Kirche und dem Kloster Maria vom Frieden, in der Schnurgasse. Dass dies möglich war, verdankte der Säkularorden der unermüdlichen Tatkraft der Sr. Maria Aloysia.
Nach dem Krieg bestehen die Mitglieder nicht nur aus ortsansässigen Männern und Frauen, sondern es sind nicht wenige Flüchtlinge dabei, während die Kölner durch Alter, Krankheit und auch aus Berufsrücksichten nicht mehr nach Köln zurückkamen. Die Verbindung zum Säkularorden halten diese aber aufrecht. Sie wird allerdings dadurch erleichtert, dass die monatlichen Vortrag des damaligen geistlichen Leiters, Pater Gregor aus Smakt in Holland, allen Mitgliedern zugeschickt werden.
Gelegentlich geht unsere "Fürsorge" weit über die Grenzen hinaus. Eines Tages schrieben 2 Lehrerinnen aus Helsinki, sie möchten dem berühmten Säkularorden an dem berühmten Kloster Maria vom Frieden in Köln beitreten. Auf den Vorschlag, dem Säkularorden in Schweden beizutreten, gingen sie ein und sind nun dabei, in Helsinki einen Säkularorden zu gründen. Da sie weder in Finnland, noch in Schweden katholische religiöse Literatur kaufen können, versehen wir sie damit. Das ist leicht, denn die beiden Damen beherrschen die deutsche Sprache sehr gut.
Besonders freundschaftliche Beziehungen haben wir zu Karmelitinnen in Jugoslawien. Wir waren der Ansicht: Tut Gutes allen, vor allen Dingen den Karmelitinnen in den Ostblockländern. Die Priorin des 2. Ordens, Mutter Amata, hatte die Idee, eventuell über Pax Christi mit Karmelitinen in Jugoslawien Kontakt aufzunehmen. Da kam uns ein Zufall zu Hilfe. Bekannte einer Mitschwester führen nach Jugoslawien in Urlaub, der Herr versteht die Landessprache, und so gab es keine Verständigungsschwierigkeiten. Wir sammelten Geld, das brachten sie zum Karmel, und dieser ausländische Besuch schlug wie eine Bombe ein. Wünsche äußerten die Schwestern keine, außer, wir möchten für sie beten. Das ist schon viele Jahre her, regelmäßig fährt das Ehepaar, ungefähr alle 2 Jahre, nach Jugoslawien in Urlaub und besucht die Schwestern. Wir geben einen Fragebogen mit, und unsere Freunde halten Augen und Ohren offen. So wissen wir, was nötig ist. Zumeist wünschen sie sich religiöse Literatur, die die Priorin dann übersetzt. Natürlich stehen die Schriften von Theresia von Lisieux und über sie im Moment hoch im Kurs, manchmal bitten sie um ein 2. Exemplar für Freunde, die Deutsch lesen können. Die Freunde sind der Säkularorden, der dort sehr rege ist.
Frau Aenne Schmitz, die als damalige Vorsitzende obigen Bericht verfasste, beurteilte die Situation ihrer Karmelgemeinde im Vergleich zu vor dem Krieg:
"Hiermit wäre das Wesentliche über das Leben im "alten" und "neuen" Säkularorden in Köln gesagt. Wir, die wir heute dem Säkularorden angehören, haben keine andere Aufgabe als unsere "Vorfahren" zu erfüllen, nur wir formulieren sie etwas andres legen den Schwerpunkt auf das Evangelium und nicht den Katechismus, sehen unsere Hauptaufgabe darin, den Glauben glaubwürdig zu machen durch ein gelebtes Evangelium. Wollten sie etwas anderes?"